Thermografie am Haus: Was das Wärmebild zeigt und was nicht

Transkript

Ein heller Fleck neben dem Fenster, und schon scheint klar: Hier geht Wärme verloren. Doch was kann dieser Fleck alles bedeuten, und warum ist der Zeitpunkt der Aufnahme dabei so wichtig? Darum geht es, bevor Sie Schlüsse aus einem Wärmebild ziehen.

Intro: Farbenspiel. Ein Podcast von Malermeister Boris Gotta. Produziert mit KI.

Boris Gotta: Eine Wärmebildkamera sieht nicht, wie viel Wärme aus Ihrem Haus entweicht. Sie zeigt, wie warm die Oberflächen sind, auf die sie gerichtet ist. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, aber an ihm hängt alles, was wir Ihnen in den nächsten Minuten erklären möchten: wie Sie mit Thermografie Stellen finden, an denen Ihr Haus Wärme verliert, und warum das bunte Bild dabei erst der Anfang einer Antwort ist.

Boris Gotta: Das Prinzip ist schnell erzählt. Im Winter ist es drinnen warm und draußen kalt, und die Wärme wandert durch Wände, Dach und Fenster nach außen. Wo die Hülle diese Wanderung gut bremst, bleibt die Außenfläche eher kühl. Wo sie weniger bremst, ist die Außenfläche an dieser Stelle etwas wärmer. Genau diesen Unterschied macht die Kamera in Farben sichtbar.

Boris Gotta: Daraus folgt die erste wichtige Bedingung: Es muss draußen deutlich kälter sein als drinnen. Für die Untersuchung der Gebäudehülle empfiehlt co2online in der Regel etwa 10 bis 15 Grad Celsius Unterschied. Andere Ratgeber nennen leicht abweichende Werte, einen festen Grenzwert gibt es also nicht. Entscheidend ist der Grund: Ist der Unterschied zu klein, fließt zu wenig Wärme nach außen, die Oberflächen unterscheiden sich kaum, und das Bild lässt sich schwer lesen. Deshalb macht man Thermografie in der Heizperiode, das heißt laut co2online meist zwischen Oktober und Mai. Jetzt, Anfang Oktober, beginnt sie gerade erst. Ob ein einzelner Tag schon genügt, hängt davon ab, wie groß der Temperaturunterschied tatsächlich ist.

Boris Gotta: Dazu kommen weitere Bedingungen. Das Haus soll vor und während der Aufnahme gleichmäßig beheizt sein. Wird ungleichmäßig geheizt, kann das Bild verfälscht werden, denn die Kamera zeigt Oberflächentemperaturen und keine Dämmqualität. Ein Ratgeber empfiehlt außerdem, die Fenster eine Stunde vor und während der Aufnahme geschlossen zu halten. Und die Fassade darf nicht in der Sonne gelegen haben, es darf auch nicht regnen. Sonst zeigt das Bild womöglich Verluste, die es gar nicht gibt, einfach weil die Sonne eine Wand erwärmt hat.

Boris Gotta: Wonach sucht man auf solchen Bildern? Zum Beispiel nach Wärmebrücken. Eine Wärmebrücke ist eine Stelle, an der viel Wärme aus dem Haus nach außen dringt. Sie entsteht oft dort, wo verschiedene Baumaterialien aufeinandertreffen, oder dort, wo ein Punkt schlechter gedämmt ist als die Fläche rundherum. Deshalb betrachtet man alle vier Gebäudeansichten und achtet besonders auf Vor- und Rücksprünge des Hauses. Auch Luftundichtigkeiten und Schäden lassen sich mit der Kamera aufspüren. Der Nutzen liegt laut co2online darin, dass Eigentümer genau diese Schwachstellen verbessern können und nicht gleich das ganze Haus sanieren müssen.

Boris Gotta: Jetzt kommt die Stolperstelle. Oft heißt es: Rot bedeutet Wärmeverlust, Blau ist in Ordnung. So einfach ist es nicht. Stellen Sie sich einmal vor, als Gedankenspiel, auf einem Bild leuchtet neben einem Fenster ein heller Fleck. Mehrere Erklärungen sind denkbar: eine Wärmebrücke, eine undichte Stelle, aber auch Sonne, die die Fläche zuvor aufgeheizt hat, oder eine Spiegelung. Das Bild allein entscheidet das nicht. Ungeeignete Witterung, aufgeheizte Oberflächen, Reflexionen oder wechselnde Betriebszustände können die Deutung begrenzen. Eine auffällige Stelle ist deshalb zunächst ein Hinweis und noch kein Beweis.

Boris Gotta: Es geht auch in die andere Richtung. Steildächer erscheinen im Wärmebild häufig blau, obwohl sie Wärme abgeben. Dasselbe Problem tritt bei vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden auf. Eine Aufnahme nur von außen reicht dann nicht, und Fachleute sehen sich das Haus deshalb auch von innen an.

Boris Gotta: Bleibt bei einer auffälligen Stelle die Frage, ob dort eine Wärmebrücke sitzt oder eine Luftleckage, also eine Fuge, durch die Luft strömt, dann hilft oft erst ein zusätzliches Verfahren. Beim Blower-Door-Test erzeugt man im Haus einen definierten Unterdruck, und dabei werden die Luftströme durch undichte Stellen sichtbar. Die Thermografie liefert den Hinweis, die vollständige Diagnose liefert sie nicht.

Boris Gotta: Und noch etwas sagt das Bild nicht. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz formuliert es so: Die bunten Bilder sagen nicht aus, wie viel Wärme verloren geht und wie viel davon eine Dämmmaßnahme einsparen könnte. Ein Wärmebild misst keine U-Werte, also keine Dämmwerte der Bauteile, und ersetzt keine Energiebilanz. Dafür braucht es zusätzliche Gebäude- und Anlagendaten und Berechnungen. Deshalb verlangt die Auswertung Fachwissen und Erfahrung. Die Verbraucherzentrale sagt sogar, dass eine Energieberatung vor Ort manchmal die bessere Alternative zu einem dekorativen Wärmebild sein kann, weil erfahrene Berater bei einem Gang durchs Haus häufig auch ohne Thermografie wissen, wo die meiste Wärme entweicht.

Boris Gotta:

Boris Gotta: Wenn Sie eine Thermografie für Ihr Haus in Erwägung ziehen, helfen Ihnen deshalb drei Fragen. Erstens: Passt der Zeitpunkt, also Heizperiode, deutlicher Temperaturunterschied, kein Regen, keine Sonne auf der Fassade? Zweitens: Wird das Haus auch von innen angesehen? Drittens: Was halten Sie am Ende in der Hand, nur Bilder, oder eine Auswertung, die Auffälligkeiten und ihre Grenzen schriftlich festhält? Bei einer Komplettsanierung kann es laut co2online außerdem sinnvoll sein, die Kamera zweimal einzusetzen: vor Beginn der Arbeiten und danach zur Erfolgskontrolle.

Boris Gotta: Wo verliert Ihr Haus also Wärme? Die Thermografie zeigt Ihnen die Stellen, an denen es sich lohnt, nachzusehen. Ob dort wirklich Wärme verloren geht und was dagegen sinnvoll ist, beantwortet sie erst zusammen mit einer sorgfältigen Auswertung.

Outro: Farbenspiel. Ein Podcast von Malermeister Boris Gotta. Mehr auf maler minus Gotta Punkt d-e. Produziert mit KI.