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Wandfarben und Putze: Was umweltfreundlich wirklich bedeutet
Innen und außen stellt sich bei Wandfarben und Putzen die Umweltfrage unterschiedlich. Die Folge erklärt, warum wasserbasierte Innenfarben Konservierungsmittel brauchen, was das Siegel für emissionsarme Innenwandfarben leistet und warum ein Blick ins Technische Merkblatt lohnt. Außerdem geht es um Filmschutz an der Fassade, um die unterschiedlichen Einschätzungen von Umweltbundesamt und Branchenverband und um Fragen, die Sie vor dem Auftrag stellen können. Produziert mit KI.
TRANSKRIPT
Draußen an der Fassade stellt sich die Umweltfrage ganz anders als drinnen im Wohnzimmer. Dort schützen manche Farben und Putze mit Wirkstoffen gegen Algen und Pilze, und der Regen spielt dabei eine Rolle. Was das bedeutet und welche Frage Sie vor dem Auftrag stellen können, klärt diese Folge.
Farbenspiel. Ein Podcast von Malermeister Boris Gotta. Produziert mit KI.
Schauen wir einmal in einen Eimer Wandfarbe. Moderne Farben nutzen Wasser als Lösemittel, und das ist für die Raumluft ein echter Fortschritt, denn lösemittelhaltige Wandfarben würde heute kaum jemand mehr in seiner Wohnung haben wollen. Die Frage, die uns als Malerbetrieb am häufigsten gestellt wird, lautet: Sind Eure Farben und Materialien umweltfreundlich? Die ehrliche Antwort beginnt genau hier, im Eimer.
Denn Wasser hat einen Nachteil. Es macht die Farbe anfällig für Schimmelpilze und Bakterien, schon bevor sie überhaupt an der Wand ist. Deshalb enthalten handelsübliche Dispersionsfarben für innen in der Regel Konservierungsmittel, sogenannte Biozide. Und diese Stoffe haben häufig ein allergenes Potenzial, können also allergische Reaktionen auslösen. Sie sehen: Umweltfreundlich ist hier kein Schalter, der an oder aus ist. Es ist ein Abwägen. Weniger Lösemittel in der Luft, dafür muss die Farbe im Topf geschützt werden.
An dieser Stelle hilft Ihnen für Innenräume ein Siegel, nämlich der Blaue Engel für emissionsarme Innenwandfarben. Was steckt dahinter? Farben mit diesem Zeichen sind über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auf ihre Inhaltsstoffe geprüft. Es gelten strenge Grenzwerte für flüchtige organische Stoffe, und seit einem Beschluss vom Dezember 2018 dürfen diese Innenwandfarben nicht mehr mit bioziden Wirkstoffen konserviert werden. Das Siegel gibt es nicht nur für farbige Wandfarben, sondern auch für weiße Dispersionsfarben und für Grundierungen. Wichtig ist die Grenze: Es gilt für Innenwandfarben. Für Fassadenfarben und für Putze ist es nicht gedacht.
Dazu gehört noch eine Feinheit, die man leicht überhört. Keine Biozide zugesetzt heißt nicht automatisch garantiert spurenfrei. Auch bei Farben mit dem Blauen Engel können unter Umständen Spuren solcher Stoffe enthalten sein. Klarheit gibt das Technische Merkblatt des Produkts, und wo Sie es finden, muss auf dem Gebinde stehen. Mein praktischer Rat an Sie: Lassen Sie sich den genauen Produktnamen der Farbe nennen, schauen Sie nach dem Siegel auf dem Eimer und werfen Sie, wenn Ihnen die Frage wichtig ist, einen Blick ins Merkblatt. Das gilt übrigens für jeden Betrieb, auch für uns.
Ein Wort zu einem Punkt, der in diesem Zusammenhang oft mitschwingt. Wir sagen es offen: Für uns ist Qualität nicht verhandelbar, wir arbeiten gründlich, präzise und nachhaltig. Und es ist unsere Einschätzung, dass Kunden mit billigeren Produkten aus dem Baumarkt häufig schlechtere Qualität kaufen. Das ist unsere Sicht aus dem Handwerk, kein Produktvergleich. Für die Umweltfrage zählt etwas anderes: Den Blauen Engel gibt es auch auf Farben, die Sie im Baumarkt oder online kaufen können. Entscheidend ist also nicht der Laden, sondern was auf dem Gebinde steht.
Eines gilt unabhängig vom Produkt. Wandfarben kommen in Innenräumen großflächig zum Einsatz, und ihre Inhaltsstoffe können die Raumluft unbemerkt belasten. Darum ist ausreichendes Lüften während und nach der Verarbeitung dringend zu empfehlen, bei jeder Wandfarbe.
Gehen wir jetzt nach draußen, denn dort ist die Frage eine ganz andere. An der Fassade geht es nicht um Raumluft, sondern um Algen und Pilze. Sie siedeln sich gern an feuchten und schattigen Stellen an und zeigen sich als grau-grünlicher bis schwarzer Belag. Das sieht unschön aus, beeinträchtigt aber nach Angaben des Umweltbundesamtes die bauphysikalische Funktion nicht. Wie hoch das Risiko ist, hängt von der Konstruktion der Fassade und vom Standort ab.
Stellen wir uns dazu ein Beispiel vor, es ist ausdrücklich ausgedacht. Zwei Häuser, das eine steht frei auf einer sonnigen Anhöhe, das andere am Waldrand, mit einer Nordseite, die kaum je richtig trocknet. Dann liegt auf der Hand, dass beide Fassaden nicht denselben Schutz brauchen. Ob ein sogenannter Filmschutz nötig ist, lässt sich also nicht pauschal beantworten.
Filmschutz bedeutet: Farbe oder Putz enthalten Biozide, die Algen und Pilze fernhalten sollen. Damit das funktioniert, müssen die Wirkstoffe an der Oberfläche wasserlöslich sein, also für die Organismen verfügbar. Und genau das hat eine Kehrseite: Der Regen kann sie auswaschen. Das Umweltbundesamt sagt, dieser Einsatz belaste Mensch und Umwelt, und die Schutzwirkung sei zudem zeitlich begrenzt. Es gebe kein Produkt, bei dem eine solche Freisetzung verhindert wird. Der Bundesverband Farbe, also ein Branchenverband, bestätigt, dass Biozide aus Fassadenbeschichtungen ausgewaschen werden können, hält das aber nicht für einen Grund zum Alarmismus, weil die Werte nach seiner Einschätzung deutlich unter den Grenzwerten für Trinkwasser liegen. Beide bewerten das Ausmaß also unterschiedlich. Einig sind sie sich in einem Punkt: Biozide sollen nur dort eingesetzt werden, wo es technisch erforderlich ist. Der Branchenverband nennt dafür als Beispiele einen bereits vorhandenen Befall oder eine Lage des Hauses, die es verlangt.
Bei Wärmedämmverbundsystemen, also der gedämmten und verputzten Außenwand, empfiehlt das Umweltbundesamt Produkte mit dem Blauen Engel für diese Systeme oder vergleichbare Systeme ohne Filmschutz. Beachten Sie: Das ist ein anderes Siegel als das für Innenwandfarben. Wir bauen als Energieberater im Handwerk solche Wärmedämm-Verbundsysteme und mineralische Sondersysteme ein. Ob bei Ihrem Haus Filmschutz nötig ist, hängt, wie eben gehört, von Konstruktion und Lage ab. Eine Alternative zum Filmschutz sind Fassadenfarben, die über ihre Oberflächeneigenschaften wirken. Beim bekannten Lotus-Effekt perlt Regenwasser ab und nimmt dabei lose Schmutzpartikel mit. Andere Systeme fördern gezielt das schnelle Abtrocknen nach Regen und Tau. Das Ziel ist, die Zeit zu verkürzen, in der Algen ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung haben.
Was heißt das für Sie ganz praktisch? Für innen fragen Sie nach dem genauen Produkt, nach dem Siegel und im Zweifel nach dem Technischen Merkblatt. Für außen fragen Sie, ob das vorgeschlagene System mit oder ohne Filmschutz arbeitet und warum das bei Ihrem Haus so gewählt wird. Der Branchenverband selbst sagt, dass Handwerker den Bauherrn zu Vor- und Nachteilen filmgeschützter Produkte und zu den Alternativen informieren können. Das ist eine völlig berechtigte Frage, und Sie müssen dafür kein Fachmann sein.
Eine Grenze gehört auch dazu. Ob eine Farbe oder ein Putz über sein ganzes Leben die bessere Wahl ist, hängt auch davon ab, wie lange er hält und wie er hergestellt wird. Dafür gibt es keine einfache Faustregel, und wir geben Ihnen hier keine. Was sich belegen lässt, ist das, worüber wir gesprochen haben.
Sind Wandfarben und Putze also wirklich umweltfreundlich? Es kommt darauf an, was Sie meinen. Innen heißt es: Auf das Siegel und das Merkblatt schauen und gut lüften. Außen heißt es: Fragen, ob Filmschutz an diesem Haus wirklich nötig ist. Mit diesen Fragen sind Sie in jedem Beratungsgespräch gut gerüstet.
Farbenspiel. Ein Podcast von Malermeister Boris Gotta. Mehr auf maler minus Gotta Punkt d-e. Produziert mit KI.